Buchtipp: Die großen Schrecken des Krieges

  Florian L. Arnold   Aug 20, 2019   Buchtipp, Schönes & Seltenes   0 Comment

Beim Innsbrucker Limbus Verlag gibt es herrliche „Preziosen“ – so der Titel einer Reihe, die Klassiker und Aktuelles in schön gebundenen Ausgaben vorlegt. So auch diesen Band des genialen Zeichners und Radierkünstlers Jaques Callot …

Die Schrecken des Krieges sind nie überwunden – das teilen uns diese jahrhundertealten Druckgrafiken mit. Sind sie ein Manifest gegen die Grausamkeiten des Krieges sowie Zeugnis eines individuellen künstlerischen Ausdrucks – oder waren sie gar Propaganda in Zeiten des Krieges?
Jacques Callot hat mit seinem Radierzyklus „Die großen Schrecken des Krieges“ (Les grandes misères de la guerre) ein zeitloses Kunstwerk geschaffen, das Generationen von Künstlern nach ihm beeinflusst hat. Callot gelang es aber auch, den Zwängen durch seine Auftraggeber zum Trotz, seinen eigenen künstlerischen Stil zu entwickeln, seine eigene Technik, seine Art des Schauens, der Bildkomposition. Wir sehen in seinen Bildern oft Hunderte von Figuren in Aktion, oft nur stecknadelgroß, aber fast eine jede erzählt eine Geschichte. Grausamkeiten, denen man sich nicht entziehen kann, weil sie so gar nichts hollywoodartiges haben, nichts von der medial übersättigten Bildwelt von heute.

Jacques Callot, geboren 1592 in Nancy, gestorben ebendort 1635, war ein lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer, der vor allem für seine Kupferstiche großer Schlachten wie Die Belagerung von Breda oder Die Belagerung von La Rochelle bekannt war; berühmt wurde Callot durch seinen Radierzyklus Die großen Schrecken des Krieges (Les grandes misères de la guerre). Zu den Sammlern seiner Werke gehörte etwa Rembrandt van Rijn; Francisco de Goya wurde durch Callot zu seinem Zyklus Desastres de la Guerra angeregt, und E. T. A Hoffmann widmete Callot sein literarisches Debüt, die „Fantasiestücke in Callots Manier“. Callot wollte „43 Jahre alt werden“.

Dieses feine Bändchen ist ein wahrer Schatz. Vom Verleger Bernd Schuchter gibts zudem im Braumüller-Verlag einen Band unter dem Titel „Jacques Callot und die Erfindung des Individuums“, der essayartig das Leben Callots ausbreitet.

 

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