Anne Carson: Rot

  Florian L. Arnold   Nov 28, 2019   Buchtipp   0 Comment

Anne Carson unterrichtet klassische griechische und römische Literatur. Das merkt man auch in ihrem „Versroman“ namens „Rot“, der schon 2001 vorlag und nun bei S. Fischer wieder aufgelegt wurde. Wir finden: Gut so! Denn ihr präziser Ton, ihr mitleidsloser Blick, diese reiche Sprache zwischen Lyrik und Prosa ohne Anklänge an klassische Reimkunst – dieses Versepos gibt Lesern viel für Herz und Hirn, weil es fabelhaft dramatisch eine „Schicksalsbegegnung“ schildert: die Geschichte von Geryon und Herakles, aber übertragen in die heutige Zeit.

Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt ihrer erotischen Beziehung lässt Herkules Geryon fallen und stürzt diesen in tiefstes Leid. Doch da reist Geryon auf magische Weise aus der Antike in die Gegenwart – und findet Trost in der Fotografie.

„Die Lyrikerin Anne Carson hat das Unbändigste und Verrückteste geschaffen, was die Literatur zur Zeit zu bieten hat. Sie setzt Homer in einen Teilchenbeschleuniger, um in der Zersplitterung alter Bedeutungen ein Spiegelbild unserer Gegenwart zu zeichnen. »Rot« ist ungeheuer erotisch und böse wie die griechischen Mythen, melancholisch und lasziv wie Velvet Underground“, so der Verlag.

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